Österreich : Woche 1

 

Prolog: Für unseren Sommerurlaub haben wir uns mal wieder für die Alpen entschieden. Zelten, wie die beiden Sommerurlaube davor. Diesmal Nordseite der Alpen, Österreich, Zell am See. Gebucht haben wir unseren Campingplatz bereits im Februar 2026. Wir haben uns entschieden komplett 2 Wochen am Stück an einer Location zu bleiben. Wir ersparen uns mehrfachen Auf-/Abbau, die Gegend bietet ausreichend Möglichkeiten für Wandern, Rennradfahren und Chillen. Wir sind vorbereitet, unser Campingzeug steht in Kisten sortiert im Keller startklar bereit. Wir fangen in der Woche vor Urlaubsbeginn an mit Packen, Kisten im Keller checken und neues Equipment einräumen, Dachbox aufs Auto montieren, Freitags Auto ready machen und unsere sieben Sachen in Kleiderkisten zu verstauen. Dann kann es los gehen.

 
 

Anfahrt: Fahrt nach Zell am See

Wir stehen 5 Uhr auf. Schmieren Schnitten/Brötchen für die Fahrt, kochen Tee, Befestigen die Räder am Auto, alle Fenster zu in der Wohnung, 6:15 Uhr starten wir. Wir fahren klassisch über Hof, Regensburg, München, kurz vor Kufstein passieren wir die Deutsch-Österreichische Grenze und folgen der Landstraße über Lofer, Saalfelden am Steinernen Meer, Richtung Zell am See. Wir kommen super durch. Ankunft gegen 15 Uhr am Campingplatz. Wir sind im Seecamp, Ortsteil Prielau, am Nordufer des Zeller Sees. Check in verläuft reibungslos, die Mitarbeiterin an der Rezeption ist super nett und hilfsbereit.

Wir bekommen unseren gewünschten Platz, Zeltwiese, erste Reihe mit Seeblick, dass konnte man vorab nicht so konkret buchen, wir hatten aber angefragt. 1,5 h später steht alles. Martin macht sich nochmal auf den Weg in den Supermarkt. Wir haben den Kühlschrank zu Hause ausgeräumt und in unsere mobile, elektrische Kühlbox überführt, Grundnahrungsmittel haben wir dabei, wir brauchen aber für die kommenden Tage noch einige Lebensmittel.

Der Platz in der ersten Reihe bringt mit sich, dass man gesehen wird, aber auch selbst gucken kann. Es kommen viele Wanderer, Gassigänger und Radfahrer auf dem Weg vor unserem Zelt entlang. Viele bleiben stehen um die tolle Aussicht in Richtung Gebirge zu fotografieren. Idealerweise bekommt man noch die im See lebende Schwanenfamilie (2 Elterntiere und 8 Junge) vor die Linse. So reihen sich teilweise bis zu 6 Leute gleichzeitig mit Handy bewaffnet, auf, um Schwanenfamilie und Panorama einzufangen. Ein lustiger Anblick! Noch lustiger ist es, wenn der Schwan bestimmte Hunde anfaucht. Wir beobachten, dass er nur bestimmte Hunde anfaucht und andere wiederum komplett ignoriert.

Wir machen uns mit dem Campingplatz vertraut. Gehen die Sanitäranlagen ab (was für ein Standard!) und schauen uns im Campingplatzrestaurant um. Den Abend verbringen wir gemütlich mit Blick auf See und Berge am Zelt und freuen uns auf die kommende Zeit.

 
 

Tag 1: Wanderung um Zeller See // Radtour zur Enzianhütte

Wir haben gut geschlafen. Entspanntes Frühstück. Bissel Chillen am Zelt und Blick auf den See. Die Schwanenfamilie schwimmt in den kleinen Bachzulauf des Zeller Sees, welcher über den Campingplatz führt.

Die Ruhe am See wird durch ein extrem hohes Vespa-Aufkommen gestört. Ein endlos langer Korso an Mopeds bewegt sich auf der Straße um den See. Wir sind neugierig, was es damit auf sich hat, da auch auf unserem Campingplatz sehr viele Vespas stehen. Siehe da, eine Google-recherche später wissen wir mehr. An diesem Wochenende ist Europas größtes Vespatreffen mit Fahrt über die Großglocknerstraße.

Gegen Mittag machen wir uns auf den Weg. Unser Ziel ist die Umwanderung des Zeller Sees, ca. 12 km. Vom Campingplatz geht es gegen den Uhrzeigersinn nach Zell am See, zum Südufer und nach Thumersbach. Im ersten viertel der Strecke werden wir von einem kurzen heftige Schauer überrascht, stellen uns kurz unter und gleich darauf hat die Sonne sich zurück gekämpft. Es geht weiter!

In einer Strandbar pausieren wir und stärken uns mit Pommes rot/weiß und Almdudler. Das war eine entspannte Wanderung mit schönen Ausblicken auf See und Berge. Zurück am Campingplatz entscheiden wir uns gleich nochmal für eine Rennradchallenge, die Muskeln sind gerade warm. Wir fahren hoch zur Enzianhütte. Ein kurzer, knackiger Anstieg mit 400 m Höhe auf 4 km, Gesamtdistanz 11 km, wir sind gut fertig oben, aber auch glücklich und haben tolle Ausblicke. Wir sind angefixt für Radfahren in den Bergen. Abends schauen wir Fußball WM, Deutschland gewinnt 7:1 gegen Curaçao.

 
 

Tag 2: Wanderung zur Walcher Hochalm

Ausschlafen, Frühstück. Überlegen was wir machen. Haben noch keinen Plan. Erstmal fahren wir zur nah gelegenen Käserei "Pinzgau Milch" in Maishofen, das ist unser Nachbarort, hier gibt es einen Werksverkauf. Gute Preise, regionale Produkte, wir decken uns mit Käse, Joghurt, Frischkäse, Belag, Wander-Knacker für Martin ein. Die Produkte der Käserei gibt es in allen Größen, von Privatbedarf bis Joghurt im 20 kg Eimer. Ferner gibt es noch allerlei andere lokale Spezialitäten. Wir decken uns gleich ordentlich ein. Wir haben ja die elektrische Kühlbox und können ohne Probleme frische, zu kühlende Waren lagern.

Die Beine spüren wir von der gestrigen Radtour, wir entscheiden uns aber trotzdem für einen aktiven Part am Nachmittag. Wir fahre die Großglocknerstraße bis zum Mautpunkt und parken in Ferleiten. Unser Tour ist eine schöne Runde zur Walcher Hochalm. Gleich mal harter Einstieg, auf knapp 5 km haben wir über 718 Höhenmeter zu bewältigen. Oben angekommen stehen wir in einem gigantischen Bergkessel. Die verschneiten Spitzen der Berge stecken in den Wolken. Wir vespern auf dem Pass. Durchgeschwitzt tauschen wir unsere Sachen auf lang, es ist hier oben relativ kühl. Auf dem Weg hoch und runter kreuzen wir mehrfach den Wasserfall (Schleierfall), an einer Stelle kann man sogar drunter durchgehen. Der Abstieg gestaltet sich ähnlich steil - mir ist klar, dass ich den die nächsten Tage in den Beinen merken werde.

Kurzer Weg mit dem Auto zurück, den Abend verbringen wir am Zelt.

 
 

Tag 3: Radtour zu Krimmler Wasserfälle

Heute steht eine lange Flachetappe mit dem Rad an. Vom Campingplatz zu den Krimmler Wasserfällen. Lang, da ca. 140 km, flach, da "nur" knapp 1000 Höhenmeter verteilt auf die Strecke zu erklimmen sind. Erstmal in Ruhe Frühstücken, danach Räder und Zubehör parat machen. Wir starten nach 11 Uhr. Die Route führt uns zunächst durch Zell am See, wir streifen Kaprun und folgen dem Salzachtal in Richtung Westen. Der Radweg führt teilweise direkt am Fluss entlang oder auf kleinen Nebenstrassen. Flankiert werden wir links von den Bergriesen des Nationalparks Hohe Tauern und rechts von den Bergen die auf der Grenze von Tirol und Salzburg liegen. In Mittersill machen wir Rast. Die letzten Kilometer hinzu führt uns das Navi in den Wald mit Gravelroad bergrauf, eher nicht so günstig mit den Rennrädern. Wir meistern den Schlussanstieg fix und sind 16 Uhr am Aussichtpunkt. Der Wasserfall ist noch relativ weit weg, wir beschließen, diesen noch mal mit dem Auto zu besuchen.

Das wird ein langer Tag, da wir ja die ganze Strecke nun wieder zurück müssen. Der erste Teil geht schnell und wir düsen die Bundesstraße runter. An einigen Stellen kürzen wir bissl ab und nehmen weiter die Bundesstrasse. Ab Neukirchen folgen wir wieder der Radroute. Ab km 100 wird es für Monique hart. Jeder kleine Anstieg tut weh, da die Beine von den vergangenen zwei Tagen müde sind und sich der befürchtete Muskelkater breit gemacht hat. Sie hält aber durch. Bei Martin geht es ganz gut, die vorherigen Tage Training / Wandern haben gut getan. Die letzten 2 h regnet es auch noch leicht, es wird aber nicht kühl. Gegen 19:30 Uhr kommen wir fertig aber auch glücklich am Zelt an. Den Abend lassen wir bei Bier und Wein am Zelt ausklingen und genießen den Blick auf den See und die abendliche Ruhe.

 
 

Tag 4: Wanderung durch die Seisenbergklam

Diesen Tag gehen wir entspannt an, die Beine sind noch müde und muskelkaterig. Wir entscheiden bis zum Nachmitag auf dem Cmapingplatz zu bleiben.Wir verbringen die Zeit mit Lesen und Beschäftigung am Zelt. Kompletter Müsiggang ist natürlich nicht unser Ding.

Vor 16 Uhr starten wir mit dem Auto Richtung Weißbach bei Lofer, hier gibt es die begehbare Seisenbergklam. Am Nachmittag hat es kurz geregnet, sodass wenig Leute unterwegs sind. Die Klam haben wir fast für uns alleine. Auf Stegen, Treppen und engen Pfaden schlängelt sich der Weg in die Klam. Am Ende steht man tief unten in dem ausgwaschenen Canyon und erblickt den Himmel nur noch durch Öffnungen in den darüberliegenden, steil abfallenden Felswänden. Dies ist nicht unsere erste Klam die wir besichtigen, diese Canyons sind aber immer wieder ein Erlebnis. Wir beobachten eine Gruppe die Canyoning betreibt. Rückzu geht es dann einen Wanderweg ausßerhalb der Klam mit schönen Bergsichten zurück zum Eingang.

Am zur Klam gehörigen Restaurant steht, dass es heute frische Pinzgauer Nocken gibt. Wir bekommen sofort Hunger. Der Koch ist aber leider schon im Feierabend. Wir trinken nur fix eine Schorle und fahren noch im selben Ort ein anderes Restaurant an. Hier bekommen wir unsere Pinzgauer Nocken (Käsespätzle). Auf dem Rückweg gehen wir noch in Saalfelden am Steinerner Meer einkaufen. Abendgestaltung wie immer, enstpannen am Zelt mit Blick auf See und Berge, dafür haben wir diesen Campingplatz ausgesucht.

 
 

Tag 5 : Wanderung zur Schmittenhöhe

Das Wetter war bisher wirklich gut, nur die Wolken hingen immer etwas tief. Heute ist das erste Mal richtige Fernsicht. Das wollen wir nutzen. Der gestrige "Ruhetag" hat gut getan. Wir fühlen uns fit und planen eine Wanderung über 10 km mit 1000 Meter Höhenanstieg. Von der Talstation in Zell am See wandern wir auf die Bergstation der Schmittenhöhe. Die Schmittenhöhe ist quasi der Hausberg von Zell am See und beliebtes Ausflugsziel, da man von hier oben einen perfekten Blick auf die Hohe Tauern mit Kitzsteinhorn und Co hat. Man muss an dieser Stelle erwähnen, dass auch hier in den Bergen die Hitzewelle angekommen ist und wir unsere Aktivitäten bei 30°C, hoher Luftfeuchte und knallender Sonne durchführen. Aber besser als Regen und kalt, wir sind happy mit der Situation.

Die erste Etappe geht zur Hochmaisbahn, dann rauf zur Schmiedhofalm. Neben dem Wankrautkopf finden wir eine abgelegene Aussicht, wo man einen tollen Blick auf das Steinerne Meer hat. Hier gibt es Brötchen, Käse, Knacker, Kekse und  Nüsse als Stärkung. Der Hauptanstieg ist geschafft.

Der zweite Teil führt als herrlicher Panoramaweg entlang des Bergkamms, welcher von allerlei Schnitzerein gesäumt wird und mit toller Flora garniert ist, vorbei am Sonnkogel rauf zur Schmittenhöhe auf 1965 müNN.

Wir genießen die Aussicht und das tolle Wetter. Runter nehmen wir die Seilbahn. 1000 m steil bergab zu steiehn geht nur sinnlos auf die Oberschenkel und Waden. Für die 1000 m Höhe benötigt die Bahn keine 7 min. Unten angekommen sind es 17 Uhr über 30°C.

 
 

Tag 6 : Wanderung zur Edelweißspitze // Wanderung Gletscherweg am Großglockner

Die Sicht und Fotobedingungen sind weiter top. Wir fahren erneut die Großglocknerstraße hoch, dieses Mal passieren wir aber die Mautstelle. 46 € kostet das Befahren dieser Straße - so viel vorweg, es ist jeden Euro wert!

Wir wollen bis auf den Gipfel, ein Stück Abfahrt auf der Gegenseite mitnehmen und zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe als Startpunkt unserer Wanderung fahren. Neben einigen Fotostopps machen wir Halt am Parkplatz der Edelweißspitze. Die 3 km hin und zurück zur Aussicht laufen wir, es geht steil, ca. 170 m bergauf. Tolle Fernsicht.

Grundsätzlich sind alle Parkplätze und Restaurants überfüllt - nicht von Wanderern sondern Autonarren (scheinbar Porsche Treffen) und unzähligen Motorradfahrern. Es quälen sich ferner einige Fahrrad-Helden die Serpentinen hoch die unseren höchsten Respekt haben.

Es ist ein herrlicher Tag im Hochgebirge. Unsere eigentliche Wanderung startet dann erst 14 Uhr. 8.5 km entlang am Fuß des Großglockners, vorbei an Staumauern und in das Tal wo nur noch zu erahnen ist wie mächtig der Gletscher einst war. Der Gletscher ist noch sichtbar, aber in großer Entfernung. Am Ende steigt man auf kurzer Distanz 250 Höhenmeterzum am Ausgangspunkt der Wanderung zurück.

18 Uhr machen wir uns auf den Rückweg, mit Fotostopps und Einkaufen kommen wir gegen 19:30 Uhr am Zelt an.

 
 

Tag 7 : Rennradrunde zum Fuße des Hochkönig

Über 30°C, Sonne, schwül. Beste Voraussetzung für eine weitere Rad-Challenge. Auf reichlich 70 km Weg wollen wir ca. 1250 m Höhe meistern, davon einen 600 m Anstieg auf 10 km mit 14% Steigung am Ende.

Vom Campingplatz aus geht es entlang der Ostseite vom See erneut ins Salzachtal, nur diesmal in Richtung Osten. In Taxenbach wartet der erste Anstieg zur Rauriserhöhe. Danach geht es rasant zurück ins Salzachtal. Von dort folgen wir dem Dientenbach auf einer herrlich ruhigen Strasse mit konstanter, erträglicher Steigung nach Dienten.

Es ist heiß und unsere Wasservorräte gehen zur neige, da u.a. ein Supermarkt geschlossen hatte, wo wir Nachschub holen wollten. Wir klingeln bei einen Privathaushalt, bekommen frisches Leitungswasser und kommen noch angenehm ins Gespräch mit dem Hausbewohner.

In Dienten angekommen haben wir einen fantastischen Blick auf Hochkönig und die anderen Berge der Südflanke des Steinernen Meeres.

Das letzte Stück, ca. 2,5 km mit teilweise 14% Steigung und in Summe 200 m Höhe wird hart, wir schaffen es aber und sind glücklich den Filzensattel mit 1290 müNN erreicht zu haben.

Der letzte Teil der Radtour ist einfach nur genießen. 15 km immer bergab, steile Abfahrten, kurvige Strasse entlang des Flußes Urslau und dabei immer auf der rechten Seite das grandiose Panorama der Felsenwand des Steinernen Meeres. Die Abfahrt macht auch deshalb spaß, weil sie relativ seicht abfällt und man mal rollen lassen kann, ohne auf der Bremse stehen zu müssen, weil die Serpentine es nicht anders zulässt.

Durch Saalach Tal geht es zurück zum Campingplatz. Wir sind uns einig - das war eine der schönsten Radtouren die wir jemals gemacht haben.

Eine Woche Urlaub ist rum. Zell am See war die richtige Wahl. Hier gibt es so viel zu erleben. Wir freuen uns auf Woche 2.

 
 
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Deutschland : Radreise