Südtirol : Woche 1
Prolog: Im letzten Reisebericht hatten wir angekündigt an dieser Stelle über eine Alpenüberquerung mit dem Rad zu berichten. Das schieben wir auf nächstes Jahr, hier war uns die Planungszeit etwas zu knapp dafür. Stattdessen sind wir mal wieder in den Dolomiten (nun zum vierten Mal) und verbringen die Zeit bei Spätsommerwetter und herrlichen Alpenpanorama mit Wandern und Rennradfahren. Viel Spaß beim Lesen.
Tag 1: Fahrt nach Villanders
Start der Reise ist Samstag, der 05.09.26. Wir starten 7:00 Uhr in Dresden. Es geht die klassische Route über Hof, Regensburg, München, Rosenheim, durchs Inntal nach Innsbruck, über Brenner Pass, durchs Eisacktal nach Villanders. Wir kommen gut durch und kommen gegen 16:30 Uhr in Klausen an.
Klausen liegt an der Brenner Autobahn 400 m unterhalb von Villanders. Im De Spar machen wir Großeinkauf als Basis für die nächsten Tage. Wir haben eine FeWo und sind wie gewohnt Selbstversorger. 17:30 Uhr erreichen wir über steile und kurvenreiche Straßen unsere Unterkunft. Hochgelegen über dem Eisacktal. Eine schöne 2 Zimmer Wohnung im Erdgeschoss eines Bauernhauses, mit Wohnküche und Schlafzimmer.
Der Bauernhof in dem wir untergebracht sind, besteht aus Wohnbereich für die Gastgeber, FeWos, extra separatem Chalet und alter Scheune für die Kühe. Die Kühe sind zur Zeit noch auf der Weide. Es gibt noch Hasen, Hühner und Katzen. Wir haben eine gemütliche Bank vor unserer Tür mit einen fantastischen Blick auf das Sella Massiv, Langkofel, Rosengartengrupp, Lang,- und Peitlerkofel sowie Pfannspitze. Im Tal sehen wir die Trostburg von Waidbruck und schauen Richtung Süden entlang des Eisacktals Richtung Bozen. Die Unterkunft liegt idyllisch am Rand von Villanders im Ortsteil Sauders umgeben von Almwiesen, Weinbergen und Obstbäumen. Perfekte Wahl, wir fühlen uns sofort wohl. Die netten Gastgeber, Karin und Sepp lernen wir auch gleich kennen. Den Abend verbringen wir bei Wein und Bier auf der Bank vor unserer Unterkunft. Es gibt reichlich Mücken, die werden uns noch die nächsten Tage begleiten und auf Trapp halten.
Tag 2: Panoramawanderung auf der Seiser Alm
Wir haben gut geschlafen, nur die Mücken im Schlafzimmer haben uns auf Trapp gehalten. Wir benötigen eine Mückenlampe oder was Ähnliches was hilft. Erstmal starten wir mit einem ausgiebigen Frühstück. Es ist heiß, heute werden an die 30°C. Wir machen eine einfache Wanderung auf der Seiser Alm. 30 Minuten Anfahrt mit dem Auto. Am Checkpoint zahlen wir online 30 Eur Parkgebühr, ohne das darf man gar nicht hochfahren. Wir parken in Compatsch.
12 Uhr starten wir. Die Wanderung haben wir aus dem Rother Wanderführer, Panoramaweg auf der Seiser Alm, 12 km / 330 Hm also entspannt. Von Compatsch wandern wir über die Seiser zur Edelweiß Hütte. Rechts von uns das Panorama auf den Plattkofel und die Rosengartengruppe. Vor uns der Blick Richtung Sella Massiv und Geisler Gruppe.
An der Edelweißhütte stärken wir uns mit Knödel mit Kraut, Schorle und Kuchen. Danach geht es entspann über Almwiesen, durch Wäldchen und entlang eines kleinen Bachs. Den Hauptweg entlang der Straße zurück zum Auto.
Ein gelungener Tag, auf die Seiser Alm wollen wir die kommenden Tag nochmal. Wir fahren nach Bozen ins Einkaufszentrum. Die Mückenlampe bekommen wir nicht, dafür etwas Küchenzubehör, was uns in der Unterkunft fehlt bzw. wir haben wollen. An einer Foodcorner gibt es für jeden 2 leckere Stück Pizza. Abends chillen wir an der Unterkunft und probieren uns in Sternfotografie, da es schön dunkel ist, fern ab von großen Städten.
Tag 3: Wanderung entlang der Marmolada
Wir haben recherchiert, 100 m oberhalb von unserer Unterkunft gibt es eine kleine, private Käserei. Das ist voll unser Ding - wir lieben Käse. Wir steigen die steile Straße hinauf - wir erarbeiten uns quasi den Käse. Bei Barbara (dö Babsi) und Lukas kaufen wir lecker Käse für die kommenden Tage. Wir probieren jeden Käse (obwohl vollgefressen vom Frühstück sind) - einfach lecker. Die verschieden Käse tragen die Namen der Kühe - finden wir charmant. Barbara erzählt uns einiges über Ihre Arbeit und das Sie das Geschäft erst seit einem Jahr betreiben. Direkt neben der Manufaktur und dem Verkauf stehen die Kühe. Der Hof ist mindestens 500 Jahre alt (urkundlich belegt). Ein tolles (und leckeres) Erlebnis.
Danach starten wir in die Wanderung. Heute wieder entspannt, es sind immer noch ca. 30°C. Wir fahren mit dem Auto zum Pordoi Pass an der Sella Gruppe. Die Anfahrt geht über St. Ulrich und Wolkenstein. Vom Parkplatz geht es hoch zum Refugio Baita weiter zum Refugio Viel. Die Wanderung ist ein Hotspot, da man von hier aus einen tollen Blick auf die Marmolada hat. An der Hütte gönnen uns wieder Almküche, Speckknödel mit Kraut für Martin und Maccaroni mit Tomatensoße für Monique. Dazu wir immer lecker Schorle aus Holunder oder Apfelsaft. Gestärkte geht es weiter den Weg oberhalb des Lago di Fedaia bevor wir den steilen Aufstieg auf den Sattel Porta Vescovo nehmen. Kurz nach der Sattelüberquerung rutscht Monique auf dem steilen, gerölligen Weg aus und zieht sich eine Schürfwunde am Knie zu. Kein Problem, nix passiert, wir haben immer ein Medi Kit mit, für den Notfall. Wird trotzdem die Tage noch etwas stören. Es geht den Rundweg weiter zurück zum Pordoi Pass, immer mit herrlichen Blick auf das Sella Massiv. Es fängt an zu regnen, wir sind aber ausgestattet, etwas unterkühlt und nass erreichen wir das Auto. Mittlerweile lässt sich die Sonne schon wieder blicken. Zurück zur Unterkunft, Sonnenuntergang mit Blick auf die gegenüberliegenden Berge genießen und danach ab ins Bett.
Tag 4: Per Rad auf ein Eis in Barian
Heute heißt es das erste Mal Radfahren. Wir wollen etwas "trainieren", da wir am Samstag eine großen Runde zum "Sella Ronda Bike Day" planen, da müssen wir etwas bergfest werden.
Start ist an der Unterkunft in Villanders, es geht rasant 400 m runter nach Klausen, danach über den Fluss Eisack, danach die Straße nach St. Ulrich bis unterhalb von Lajen, weiter runter nach Waidbruck.
Am Supermarkt gibt es Eistee (Zucker) als Basis für den harten Anstieg hoch nach Barbian.
Hier belohnen wir uns mit lecker Eis, wie immer wenn möglich auch mit Sorte Pistazie, das schmeckt nur in Italien. Weiter geht es den Höhenweg zurück nach nach Villanders. Es ist weiter heiß, 30°C, wir sind gut gefordert. In Summe haben wir 32 km und 950 Hm zurückgelegt. Abends chillen wir an unserer FeWo. Die Hauskatze hat mittlerweile mit und Freundschaft geschlossen.
Tag 5: Regentag 1
Leider gibt es einen Wetterwechsel, der auch angekündigt war. Wir verbringen den Tag in der Unterkunft und schauen immer wieder aus dem Fenster und genießen den Wetterspektakel. Wolken ziehen durchs Tal und geben immer wieder den Blick auf die gegenüberligenden Berge frei. Es sieht wild-romantisch aus.
Tag 6 : Regentag 2
Leider macht uns das Wetter weiterhin einen Strich durch die Rechnung. Es bleibt weiterhin wechselhaft und regnerisch. Wir beschließen eine weitere (unfreiweilige) Auszeit zu nehmen. Aber am Ende ist das ja auch Urlaub. Mal entspannt in unserer schönen Unterkunft sitzen und einfach entspannen - das muss auch mal sein.
Tag 7 : Auf die Tschafon- Alm
Nach zwei regnerischen Tagen, freuen wir uns endlich wieder raus zu kommen. Es steht eine Wanderung an!
Das Rosengartenmassiv ist unser Ziel. Start ist in Tiers. Wir wandern steil bergauf durch ein Wäldchen - wir sind allein. Am Wuhnleger Weiher treffen wir auf weitere Wanderer. Wir genießen den Ausblick über den Weiher, in dem sich das Rosengartenmassiv spiegelt. Wahnsinn! Das Massiv ist wolkenumhüllt. Wir warten ein paar Minuten, bis der Blick auf die Berge freier ist. Nach zahlreichen Fotos setzen wir unsere Wanderung fort, hoch zum Refugio Tschafon. Oben angekommen, gibt es eine Vesper - Oliven, Käse, Wurst, Tomaten und Brot stärken uns.
Das Refugio beherbergt viele Tiere - Ziegen, Pferde, Hasen und Hühner. Neben edel aussehenden Ferienhütten befindet sich an der Hütte ein wunderbarer Gemüsegarten.
Wir machen einen Abstecher auf die Völseggspitze, die den Blick ins Tal Richtung Bozen und die Ötztaler Alpen, sowie die Texelgruppe freigibt. Der weitere Weg geht steil bergab, wir kommen an stylischen Hotels, die in den Hang integriert sind, vorbei und wandern entspannt zurück nach Tiers.
Mit etwas Aufregung geht es in die Nacht vor der Sella Ronda. Zur Vorbereitung auf den nächsten Tag gibt es Kohlenhydrate in Form von Pasta.
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Tag 8 : Sella Ronda Bike day
Die Nacht war für Monique sehr unruhig. Sie ist die Tour im Traum schon gefahren. :-D
Heute ist der "Sella Ronda Bike Day"! Ein Event auf welches wir uns schon sehr gefreut haben. Die Straße rund um das Sella Massiv ist von 9-16 Uhr für jeglichen Verkehr, außer für Fahrräder gesperrt. Somit keine nervigen Porsche Fahrer oder BMW Tuner bzw. Motorradfahrer, welche uns das Bergerlebnis mit Lärm, Gestank und fehlendem Respekt für die Landschaft und die Natur vermiesen. Der Sella Ronda Bike Day findet zweimal im Jahr statt und zu unserem Glück auch an diesem Wochenende. Es wartet eine echte Challenge auf uns, die definitiv außerhalb unserer Komfortzone liegt. 62 km Strecke mit 4 Pässen und in Summe 2000 Hm. Gut präpariert mit Corny Riegeln, Power Gel und Cola starten wir in Wolkenstein in das Abenteuer. Mit ca. 10.000 anderen Teilnehmern starten wir ins Abenteuer.
Durch den Wetterwechsel ist es angenehm kühl - früh waren es 4 °C auf den Pässen. Im Uhrzeigersinn um das Sella Massiv fahren wir folgende Route:
1. Pass Sella, über Passo Gardena ins Tal Richtung Canzai
2. Pass: Pordoi Runter nach Arabba
3. Pass Camolomgo Runter nach Kufar
4. Pass Grödner Joch Abfahrt über Passo Gardena nach Wolkenstein
An den Pässen und in den Talorten ist viel los. Auf Strecke ist es gut aufgelockert, einfach ein tolles Fahren. Wir fahren an einem Mann im Liegefahrrad vorbei, der sich durch reine Armkraft fortbewegt. Er bekommt Respekt von uns und anderen Radfahrern. Monique ging davon aus, dass auf der Strecke einige Spaßkanonen zu sehen sind - aber weit gefehlt - 90% der Teilnehmenden nehmen die Sache ziemlich ernst.
Das Radfahren ist sehr rücksichtsvoll. Jeder achtet auf den Nebenmann bzw. die Nebenfrau. Jeder fährt sein Tempo und ab und an fährt der ein oder andere E-Bikefahrer an uns vorbei, teilweise überholen wir sie auch. An den Anstiegen wird es still - es ist nichts zu hören, jeder fährt für sich. Tolle Atmosphäre!
Das Fahren in der Gruppe motiviert - man will nicht nachlassen oder aufgeben. Wir schaffen die Fahrt in der vorgegebenen Zeit, bevor die Straßen wieder für die Autos freigegeben werden. Wir sind glücklich und stolz, dieses Erlebnis gemeistert zu haben und sind uns einig, dass wir dieses Event wiederholen werden. Die nächsten Berge sind keine Challenge mehr ;-) und wir sind motiviert weitere Bergetappen anzunehmen.

